Vom Glueck des erweiterten Horizonts

Am Sonntag beginnt Maya Prachoinigs Ausstellung in Schwyz. Danach wird die Künstlerin aus Rickenbach wieder in Berlin und später in Paris arbeiten.

Statt zu amlen schnitzte sie als Kind eher einen Pfeilbogen: die in Rickenbach aufgewachsene Künstlerin Maya Prachoinig.

Ihr Weg zur Künstlerin war ganz bestimmt nicht eindeutig vorgezeichnet. Maya Prachoinig malte und zeichnete als Kind nie besonders viel. «Eher schnitzte ich einen Pfeilbogen», erzählt sie lachend. Sie lernte Konditoreiverkäuferin, arbeitete dann in verschiedenen Berufen. «Fast wäre ich Beamtin geworden.» Doch dann entschloss sie sich, einen Beruf zu suchen, der mehr fordert und bereichert. Ein Au-pair-Aufenthalt in Nizza brachte das Schlüsselerlebnis. Dort redete man ihr zu, mehr aus ihrem Leben zu machen. «Die Oma der Familie war ein lebendiges Beispiel dafür, dass es nie zu spät ist, einen völlig neuen Weg einzuschlagen.»

Offener werden

Maya Prachoinig meldete sich bei der Höheren Schule für Gestaltung in Luzern an und hatte nur einen Monat Zeit, Arbeiten für eine Aufnahmeprüfung zu machen. «Ich musste fast alles Material kaufen, denn ich hatte bisher kaum künstlerisch gearbeitet.» Um so erstaunlicher die Tatsache, dass sie zu den 50 von 450 Bewerbern gehörte, die aufgenommen wurden. Nach dem Vorkurs schrieb sie sich in det Fachklasse Freie Kunst ein. Maya Prachoinig lebte und arbeitete seither in Luzern und hatte Ausstellungen in der ganzen Schweiz. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit arbeitete sie als freie Mitarbeiterin in der Ausstellungstechnik des Verkehrshauses in Luzern. “Alle in der Schule gelernten Handwerke, wie zum Beispiel Schweissen und Holzbearbeitung, kamen mir hier zugute.” Ihre Wohnung in Luzern hat sie inzwischen aufgegeben. «Zurzeit lebe ich aus dem Koffer, erzählt sie. Bis Juni wird sie in Berlin leben. «In Berlin gilt “leben und leben lassen”, und deshalb bietet diese Stadt mir das richtige Umfeld, um mich künstlerisch und persönlich weiterzuentwickeln.» Man werde auch offener, wenn man Fremde unter Fremden sei.

Stolz auf Förderverein

Nächstes Jahr wird sie die Zeit vorwiegend dazu nutzen, um neue Projekte und Arbeiten ohne Termindruck zu entwickeln. Dies ermöglicht ihr unter anderem der «Förderverein Maya Prachoinig». Eine ehemalige Ostberlinerin bezeichnete diesen Verein als «gelebten Sozialismus». Sie selber ist einfach stolz, solche Freunde zu haben. «Dieses Privatstipendium hat mir aus einem Engpass heraus geholfen und war auch Motivation, einen Schritt weiterzugehen. Zusätzlich wurde ihr von der GSMBA-Innerschweiz (Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten) ein Atelieraufenthalt an der Cité des arts in Paris zugesprochen. «Ich werde dort die Geschichten, die in der Luft liegen, sammeln und visualisieren. Brüche und Schnitte in Wahrnemungsprozessen sind wiederholte Themen in Maya Prachoinigs Arbeiten. Sie möchte Stimmungen, Fragen, Anspannungen transportieren, vorwiegend mittels Fotografie, der Objekt- und Konzeptkunst. «Es geht mir darum, unsichtbare Realitäten transparent zu machen. Das erweitert den inneren und hoffentlich auch den äusseren Horizont.» Horizonte sind denn auch das Thema ihrer ersten Ausstellung in Schwyz, die demnachst stattfindet. Diese steht unter dem Titel: “Vom Glück des erweiterten Horizonts.”

Neue Schwyzer Zeitung