Vom ewigen Werden und Vergehen

Mit Tonobjekten von Brigitta Gemsch zeigt Esther Gwerder in «Kunst und Kleider» an der Schwyzer Rathausgasse erstmals Werke aus Ton. 40 Personen kamen zur vom Duo Tango-Intermezzo umrahmten Ausstellungseröffnung.

«Trauerzeit» betitelte Brigitta Gemsch dieses gewichtige 14-Kilo-Stück.

Gleich links neben der Eingangstür wiegen sich vier winzige Frauen im gemeinsamen Tanz. Begutachtet werden sie vom «Augenblick», in dessen Pupillen zwei winzige Leute sitzen. Etwas weiter das Brandtechnik-Werk «Stille » – tönerne, der Realität abgeguckte Ohren drehen sich auf einem Wagenrad. Mit je einem Riesenohr hinten am Kopf sind hingegen die Frauen ausgestattet, welche in ihrer Runde «Klatsch» verströmen. Sicher eines der gelungensten Objekte ist die durch stille Farben bestechende «Trauerzeit ». Ein Grab, dessen Umfeld nicht tot, sondern äusserst lebendig ist. Die mit einem Schwyzer verheiratete Brigitta Gemsch arbeitet seit rund 20 Jahren mit Ton. Ursprünglich als Primarlehrerin ausgebildet, vermittelt sie andern den Umgang mit dem interessanten Naturmaterial. Trotz langer Erfahrung ist es nie selbstverständlich, wenn sie ihre bei über 1000 Grad gebrannten, farbigen Glasurmischungen wie geplant und ohne Bruch aus dem elektronisch gesteuerten Ofen holen kann.

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Zurück zur Ausstellung, zum weissen Tonwerk «Sehnsucht». Kleinkinder krabbeln auf der Mutter herum, die gerade das Jüngste stillt. Ganz in Grau mit Stacheldraht vermacht steht der «Schmerz». Saint-Exupéry immer gültige Aussage, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, hat die Künstlerin in Form eines runden, oben leicht offenen Gefässes umgesetzt. Geburt, Krankheit und die Mühen des Alters sind nicht aus dem Ärmel geschüttelte Themen. Ausser dem Lehrerinnenberuf hatte die jetzt in Islisberg AG wohnhafte Frau Krankenschwester gelernt. Teilzeitlich im Altersheim tätig, kennt und versteht sie dieses komplizierte Umfeld. Die rund 40 Gäste wurden am Samstag noch musikalisch von  «Tango-Intermezzo» verwöhnt.

Bote der Urschweiz