Stocker: «Kunst ist nie ein Abbild»

Der freischaffende Künstler Norbert Stocker stellt ab kommenden Samstag in der Galerie Kunst und Kleider am Hauptort aus. Die Junggaleristin Esther Gwerder hatte seine faszinierenden Holzskulpturen im MythenForum entdeckt.

Für Norbert Stocker deutet jeder Spalt in seinen Skulpturen auf Leben hin.

Nach Schwyz kamen Elisabeth und Norbert Stocker 1968 eher zufällig. Sie wohnten in London und sahen sich nach einer Lohnarbeit um. In Schwyz wurden sie fündig, der damals 28-jährige Stocker heuerte als Zeichnungslehrer im Kollegium Maria Hilf an . «Wir dachten, etwa fünf Jahre in Schwyz zu bleiben, inzwischen sind über 30 Jahre daraus geworden.» Das Leben hier an der Nord-Südachse gefällt, seit 1994 ist Stocker als freischaffender Künstler tätig.

Ein Schwyzer Kunsthaus?

Erinnerungen an die Zeit als Zeichnungslehrer. «Es war mir wichtig, mit den Schülern vor Originalen diskutieren zu können.» Dazu boten sich in der Nähe wechselweise das Josephshaus, die Kleintheatergalerie, das Kellertheater, der Maihof, der Chupferturm an. Er hofft noch immer, dass der Kanton zu einem Kunsthaus kommt, von der Grösse her ungefähr wie das im urnerischen Altdorf. «Mit ihrer Galerie, in der sie für das Segment Kleider wenig Platz beansprucht, hat Esther Gwerder einen frischen Impuls geschaffen.» Deshalb sagte Norbert Stocker – seine Skulpturen. Zeichnungen und Druckgrafik sind im In- und Ausland gefragt – spontan zu, seine erste EinzeIausstellung in Schwyz an der Ratskellergasse zu zeigen.

Meinrad Inglins Haus

An einem von guter Stimmung pulsierenden Ort arbeiten zu können ist für jeden Menschen vorteilhaft. Stocker arbeitet im wunderbaren Meinrad-Inglin-Haus, das 400 Jahre auf dem Buckel hat. Der Keller ist ideal für seine Arbeit an den oft grossen, sperrigen Holzskulpturen. Im ganzen Haus stehen Plastiken, einige betrachten einen mit ernstem Gesicht, andere schauen mit einem feinsinnigen Lächeln an einem vorbei, Richtung Garten. Und andere erinnern an talentierte Pantomimen, die ihre Erstarrung nur spielen. Vereinzelt finden sich abstrahierte, an Baukunst angelehnte Werke, die zu eigenen Interpretationen einladen. Als Material dient hauptsächlich in unserer Gegend gewachsenes Fruchtholz. «Holz fällt der Verwitterung, dem Wurm zum 0pfer oder wird verbrannt : Als Material das sich neu bildet und abbaut, ist es näher bei der menschlichen Zeit ist als etwa Stein». so Stocker. Für den gebürtigen Zuger ist wesentlich. wenn eine Formulierung gelingt. Er klammert sich nicht an der Anatomie fest und hält wenig von Entwürfen: «Unmittelbar am Material sein zwingt zu einem andern Verlauf. Künstliche Gebilde haben ihre eigenen Gesetzmässigkeiten.»

Bote der Urschweiz