Farbe ist seine Lebensenergie

Manche bildende Künstler sehen Farbe als blosses Dekor. Der Küssnachter Maler Guido Hauser hingegen sagt von sich: «Ich fühle mich im Thema Farbe daheim.» Am Gymnasium Immensee gibt er seine Begeisterung fürs Kreative als Zeichnungslehrer weiter.


Wenn man den Bischofszeller Guido Hauser nach seinen Berufswünschen gefragt hatte, nannte er Kunstmaler oder Lyriker. 1968 machte der Thurgauer mit Jahrgang 1952 am Zuger Lehrerseminar St. Michael seine erste Bekanntschaft mit der Zentralschweiz. Nach einem anregenden Wanderjahr durch Europa und Nordafrika begann er 1974 seine Primarlehrer-Tätigkeit in Immensee. Die Freude am künstlerischen Schaffen spazierte immer mit. Guido Hauser, einstiger Paul-Klee-Fan, malte in freien Stunden und in den Ferien. Der Wendepunkt kam 1986: «Der äussere Anlass war nach neun Jahren die Gewissheit, dass ich nicht Primarlehrer bleiben will. Ruth, meine Frau, sowie ein guter Bekannter, selber Zeichnungslehrer, unterstützten mich in der Neuorientierung.» Sein aussergewöhnliches Talent zeigte eine aufbewahrte Zeichnungsmappe aus der Schulzeit auf. Hauser schaffte die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung an die Schule für Gestaltung in Luzern. Warum gerade Luzern? «Jede Schule hat ihren Ruf, in Luzern wurde die persönliche Ausbildung gross geschrieben. Ich habe den Schritt nie bereut», so der Vater von drei Kindern.

Die «Bote»-Journalistin: «Als diplomierter Zeichnungslehrer mussten Sie fast zwingend zurück in einen Schulbetrieb. » Hauser: «Ich wusste, ich würde wieder Schule geben, und daneben würde ein anderer Zweig mit zum Zug kommen. Seit 1986 arbeite ich als Lehrer für bildnerisches Gestalten am Gymnasium Immensee und freischaffend im eigenen Atelier.» Die imposante Bildungsstätte, wo er schon öfters mal Teamwechsel erlebt hat, sieht er als engagierte Schule an. Und lachend: «Ein Schulmeister ist auch Dienstleister.» So fertigt er nach Bedarf Poster, Einladungen und die immer überraschenden, ausgeklügelt daherkommenden Bühnenbilder für die hauseigene Theatersaison.

Hören sie Rot und Gelb?

In der Ausbildung war Figuren- und Aktzeichnen zwar obligatorisch, doch Hausers Affinität gehört abstrakter Malerei und Farbe. Laut einer Geschichte im deutschen Magazin «Spiegel » soll es Menschen geben, welche die Farben auch hören, weil Farbe und Töne im Hirn an derselben Stelle zusammenkommen. Der Küssnachter hat eine einfach-präzise Formulierung: «Ich fühle mich im Thema Farbe daheim.» Im Jahr 2000 hat er seine Staffeleien vom Atelier Seeheim ins neue, lang gezogene Gebäude an der Bodenstrasse transferiert. Im «Riedappel » hat der Maler, der gerne Grossformate schafft, viel Platz, die Lichtverhältnisse sind ideal. Er arbeitet gerne in Serien, und für ihn ist der Bereich Bildermachen, das alte traditionsverhaftete Medium, keineswegs ausgeschöpft.

Der Farbenfan hat den Vorzug, in einer Zeit zu leben, wo es selbstverständlich ist, unsere Welt farbig abzubilden. Der Küssnachter geht gerne mit der Kamera ins Freie: «Ich habe viele Fotos, das Medium ist für mich interessant, auch als Anregung für Bilder. Die Strukturen der Natur kommen indirekt wieder zum Vorschein.» Er wandert gerne, doch draussen malt er nie. «Mir geht es nicht um äussere Strukturen, Farbe ist für mich Lebensenergie. Wie kann man heute noch Neues malen, das sich absetzt?» Mit Jahrgang 1952 zählt er nicht zu den Künstlern, die sich an Videotechnik ergötzen. «Das Handwerkliche ist mir wichtig, die Technik will ich nicht mit einspannen, ein Bild soll unter meinen Händen entstehen. Wenn es gut läuft, ist Malen eine ideale Arbeit, manchmal jedoch wird sie zur Qual. Ich habe schon oft Bilder wieder zerstört, weil sie mir nicht nach meinen Vorstellungen gelangen.»

Ausstellung in Schwyz

Interessant für ihn war die aufwändige Jurymitarbeit für die «Kunstszene 2001» in Pfäffikon. Die Wahl unter den vielen Bewerbern war schwierig; Hauser sah es als echte Bereicherung, dass mit Alexander Püringer aus Wien ein kompetenter ausländischer Fachmann beigezogen wurde. Guido Hausers eigene Werke werden rege ausgestellt, in der Zürcher Szene etwa bei der Traditions-Galerie Bommer. Letztes Jahr zeigten das Romerohaus und das Kunstpanorama Luzern sein Oeuvre. Und Kunst am Bau made in Küssnacht ist beispielsweise in der Cafeteria des Oberstufen-Zentrums Ebnet oder bei den Architekten Hüsler & Partner zu sehen. Heute Samstag feiert er an der Schwyzer Ratskellergasse bei «Kunst & Kleider» von Esther Gwerder von 16.00 bis 19.00 Uhr Vernissage. Neben Ölbildern und Büttenpapierwerken hat er auch kleine Holzskulpturen für Schwyz vorgesehen. Auch diese hat er selbstverständlich farbig bemalt.

Bote der Urschweiz