Den Himmel auf Erden gesichtet

Ab morgen Sonntagnachmittag steht «Kunst und Kleider» an der Schwyzer Ratskellergasse im Zeichen erweiterter Horizonte. In ihrer dritten Ausstellung präsentiert die Neugaleristin Esther Gwerder fantasiegeladene Werke von Maya Prachoinig.

Die Künstlerin und die Galeristin: Maya Prachoinig (links) und Esther Gwerder präsentieren eine Ausstellung der besonderen Art. Zu sehen sind die Werke von Maya Prachoinig in der Galerie «Kunst und Kleider» an der Ratskellergasse in Schwyz.

Im Schaufenster an der Ratskellergasse 2 rührt sich etwas. Die beiden Erdpole, auf einem bläulichen Kinderballon geografisch festgehalten, tanzen. Ein Miniventilator hält das federleichte Objekt unaufhörlich in Bewegung. Die Neugier ist erweckt, was hat die 33-jährige Maya Prachoinig sonst noch in die hübsche kleine Galerie an der Ratshauskellergasse mitgebracht? Da hängt Grossformatiges: Eine weite karamelfarbige Fläche, von unten her Lampenschimmer, in weiter Ferne Wolken im Sonnenlicht. Die poetisch wirkende Aufnahme ist auf einem Gebäude des kerosingetränkten Flughafens in Mexiko-Stadt entstanden. Gegenüber grüsst ein Dachparkplatz über dem kalifornischen Los Angeles, weit weg lächelt der Horizont. Beides sind Exemplare der in Grossstädten, Dörfern und Landschaften entstandenen Fotogeschichten «Himmel auf Erden ».

Nur scheinbar Dauerhaftes

Die 1997 begonnene Serie zeigt schneebedeckte Äcker um Luzern, gelbe Blumenfelder im Burgund, die Strassen von San Francisco. Maya Prachoinig hat scheinbar dauerhafte Momente festgehalten. Doch ihre Grossformate sind mechanische Fotomontagen. Sie haben nichts gemeinsam mit den in Fotoshops zusammengesetzten Trugbildern, die uns allzu viele Presseerzeugnisse als echte Ware kredenzen. Die Künstlerin wagt auch klimatische Brüche. «El Torito», das kleine Schiff aus der Karibik, ist offensichtlich in der Kälte einer Luzerner Schneelandschaft aufgelaufen und gleicht einem Eisbrecher. Wunderschön auch die hellen aneinandergereihten Leinwandquadrate, deren Dekors an exotische Blüten gemahnen.

Die edlem Wildleder ähnlichen Applikationen entpuppen sich als Orangenschalen. Die Künstlerin hat sie sorgfältig herausgeschält, trocknen lassen und mit weissem Sternfaden eingenäht.

Wahrnehmungen und Brüche

Wir schreiben, wir reden, quasseln, referieren und tratschen. Kommunikation ist so selbstverständlich wie Atmen. Was bleibt? Eine Reihe von Reagenzgläsern ist mit abgeschliffenen, verbrannten, verklungenen Reden und Texten gefüllt. Doch selbst mit wichtigen Namen der Kunstszene des 20. Jahrhunderts geht die 33- jährige Schwyzerin respektlos um. Auf einem Ansichtskartenständer sitzen, in winzigen Beuteln verschlossen, ehemalige Kunstpostkarten. Sie wurden in kleinste Pixel seziert und durcheinandergeschüttelt. Die in grossen Kunsthäusern verewigten Augenlüste von Campendock und Coons, Mondrian, Miro, Macke und Morandi, Picasso, Pollo, Johns und Sherman neu platziert.

Aufträge vom Verkehrshaus

Auf solche Ideen muss man zuerst einmal kommen. Der Schwyzerin, die 1993 ihre Ausbildung an der Höheren Schule für Gestaltung in Luzern abschloss, liegen die Abstraktion und bodenständiges Handwerk. Maya Prachoinig hat im Nachbarkanton auf sich aufmerksam gemacht, unter anderem in Emmen mit Kunst im öffentlichen Raum. Zu ihren Talenten gehört Ausstellungstechnik, gelegentlicher Auftraggeber ist auch das Verkehrshaus Luzern. Den Ideenreichtum hat die Frau mit Aufhalten in England, dem Westen der USA und Mexiko geäufnet. Lassen Sie sich überraschen: an der Ratskellergasse 2 am Sonntag 3. Dezember, um 16 Uhr an der Vernissage. Die Ausstellung dauert bis zum 5. Januar 2001.

Bote der Urschweiz