Afrika war mein Kindertraum

Heute im Ibächler Krähennest, morgen im afrikanischen Senegal: Regula Trutmann lebt gerne in zwei verschiedenen Welten.

Künstlerin zwischen zwei Kulturen: Regula Trutmann verbringt mehrere Monate im
Jahr in Senegal.

Die Künstlerin Regula Trutmann hat in ihrem Atelier in Schwyz gut geheizt. «Ich friere immer in der Schweiz», erklärt sie. Dabei fühlt sie sich hier nach wie vor sehr verwurzelt, auch wenn sie sich viele Monate im Jahr im Senegal aufhält.

Das schönste Geschenk

Regula Trutmann ist in einer musisch begabten Familie aufgewachsen. Gemalt hat sie schon als Kind mit Leidenschaft. Ein Verwandter erkannte ihr Talent und schenkte ihr einen Aquarellkasten mit Papier. «Das war wohl eines der schönsten Geschenke meines Lebens»,schwärmt Regula Trutmann. Sie hat jedoch erst nach dem Kindergärtnerinnenseminar angefangen, intensiv künstlerisch zu arbeiten.
Mit ihrem damaligen Lebenspartner hatte sie zwei Kinder und dazu eine starke Verbindung über die Kunst. «Wir haben gerrieinsam Hunderte von Marionetten gemacht. Auch Kinderspielsachen», erinnert sie sich heute noch gerne. Damit eröffnete sie vor etwa 20 Jahren ihre erste Ausstellung im Kellertheater Schwyz. «Es waren auch Skizzen unserer gemeinsamen Reise nach Südamerika dabei.»

Erfüllung eines Kindertraumes

Mit 40 Jahren wollte sie sich endlich einen Kindertraum erfüllen: Eine Reise nach Mrika. «Ich hatte fast Angst, die Wirklichkeit könnte meinen Traum für immer zerstören», meint Regula Trutmann. Das war aber gar nicht so. Sie war begeistert von den Farben, der Fröhlichkeit, dem Lebensstil. «Natürlich sah ich auch die Armut und ich wollte etwas tun, ohne einfach Geld zu geben», erklärt sie. So entstand das Frauenprojekt Thibon.

100 Frauenskulpturen wurden in Ibach und Muotathal hergestellt. Noch einmal 100 solche Skulpturen entstehen zur Zeit im Senegal. Diesen Winter werden die afrikanischen Skulpturen nach Schwyz gebracht und dann gemeinsam ausgestellt. Der Verkaufserlös wird in das senegalesische Dorf fliessen. “Die Frauen wünschen sich zum Beispiel ein Einbaumschiff zur Reisgewinnung oder eine Sanitätsstelle”, weiss Trutmann.

Heimweh nach dem Senegal Regula Trutmann ist seit einem Jahr mit dem Senegalesen Yves Dacosta verheiratet. Die Dorfgemeinschaft in Afrikia hat den beiden ein Lehmhaus gebaut. «Ich habe mehr Heimweh nach dem Senegal als mein Mann», erzählt Trutmann lachend. Zur Zeit lernt sie «Wolof», eine der vielen Sprachen dieser Gegend. Am liebsten würde sie die eine Hälfte des Jahres hier und die andere dort verbringen. Ihre Liebe zu Afrika hat natürlich ihr künstlerisches Schaffen stark geprägt. Vor etwa vier Jahren gewann sie erstmals einen von der Sparkasse ausgeschriebenen Wettbewerb mit ihren exotischen Skulpturen. Ihre kunstvollen Menschenfiguren berühren. Unglaublich ausdrucksstark auch ihre Bilder: Hier sieht man vor allem afrikanische Gesichter und Motive. Eher versteckt hält sie ihre Landschaftsbilder von Schwyz und Umgebung. In Schubladen bewahrt sie Hunderte von Skizzen auf. “Man kann mich gerne in meinem Atelier besuchen kommem”, erklärt die offene Frau. Neben dem Weltladen ist eine Türe mit “Atelier Infrkultur” beschriftet. Hier könne man gerne anklopfen.

Ein Kinderbuch über Afrika

Regula Trutmann gibt auch Kurse, privat oder beim Verein, FFS. Für die Caritas hat sie mit traumatisierten Menschen gemalt. Sie hat drei Kinderbücher von Anita Schorno illustriert. In ihrem Leben haben sich viele Träume bereits erfüllt. Einen hat sie noch: «Ich würde gerne ein Kinderbuch über Afrika malen. Man erzählt dort so viele Geschichten.»

Neue Schwyzer Zeitung